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Studio-Abend mit Lutz Rathenow
1982 erschien Lutz Rathenows Lyrikdebüt „Zangengeburt“ bei Piper in Westdeutschland – 2026 kommt eine erweiterte Neuauflage heraus. Dazwischen liegen 44 Jahre, die einen gewandelten Blick auf die Gedichte und ihren Autor ermöglichen, den von Wolfgang Hilbig vielleicht ebenso viel trennt wie mit ihm vereint. Hilbigs 19. Todestag am 2. Juni gibt Anlass dies zu erkunden. Der Schriftsteller stellt seine "Gedichte aus einem anderen Jahrtausend" vor – und liest (und verteilt) erstmals Texte zu Wolfgang Hilbig. Er folgt mit diesem Studio-Abend Uwe Kolbe nach, der das Publikum hier 2025 mit seinem Buch über Hilbigs Meuselwitz begeisterte.
Begrüßung: Gerald Zörner, Moderation Frank Muttschall, Buchpräsentation Verlag Ralf Liebe
Lutz Rathenow über seinen Band:
Der Einstiegstext blitzt auf: Die rettende Insel suchen, um sie zu versenken. Für die Flucht bleibt als Möglichkeit: auszuharren. 1982 wurde „Zangengeburt“ als Zeugnis eines frisch verbotenen Dichters aus der DDR entziffert. Nun wirken die typografisch verwandelten Texte fast zeitgenössisch. Pathos und Komik vereint, Waldspaziergänge, Weltuntergänge, Beziehungsflattern. Es sind andere Gedichte geworden, weil sie nicht verändert worden sind. Ein Text spürt den neuen Resonanzräumen nach, setzt Neugier gegen Abschottungslust. Rettende Inseln auflösen, bevor sie zu Trutzburgen der Ignoranz mutieren.
Lutz Rathenow über Wolfgang Hilbig:
Ein Literaturredakteur aus Frankfurt am Main brachte Wolfgang Hilbig und mich zusammen. An einem Tisch in einem Leipziger Kaffee neben dem Pressezentrum, in dem durch Karl Corino (Hessischer Rundfunk) und andere Redakteure (meist Rundfunkanstalten) Tische faktisch zu Redaktionsarbeitsplätzen mit rotierender Besetzung wurden. Wolfgang Hilbig fühlte sich anders als andere (ich zum Beispiel) nicht wohl in solchen auch konkurrierenden Selbstdarstellungs-runden. Für später verabredeten wir uns an einem Stehtisch, in einer Keipe, auf dem Bahnhof, einmal an seinem Arbeitsplatz. Dann Berlin, seine beiden Wohnungen , bei uns am Küchentisch. Zog er wirklich an zwei Zigaretten gleichzeitig, in jedem Mundwinkel eine? Nach der Vereinigung Zufallsbegegnungen, die längste auf dem Bahnhof in Stuttgart. Wir diskutierten über seinen Roman „Ich“. Und über die verfluchte Nähe zur Nichtmehr DDR …
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- Dienstag, 2. Juni 2026 19:00