Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e.V.

"Wenn ich einmal heimgeh ...". Über dieses Gedicht von Louis Fürnberg sagte Hubert Witt in einer Sommernacht im Juli 2016 viel Berührendes. Am 11. Oktober ist Hubert Witt, überraschend für uns alle, selbst "heimgegangen". Der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft war er, der an Hilbigs erster und einziger DDR-Veröffentlichung mitgearbeitet hat, ein treuer und kritischer Freund. Wir werden ihn sehr vermissen.

Hubert Witt, am 20. Juni 1935 in Breslau geboren, war von 1959 bis 1986 Lektor im Reclam-Verlag Leipzig, unter anderem von Franz Fühmann und Wolfgang Hilbig, dessen Buch "STIMME STIMME" (1983) er mit auf den Weg brachte und betreute.

Hubert Witt war Übersetzer und Herausgeber jiddischer und mittelhochdeutscher Literatur, hat Bertolt Brecht, Wolf Biermann, Günter Kunert und viele andere herausgegeben und lehrte von 1986 bis 1993 am Literaturinstitut "Johannes R. Becher". Das Literaturfestival "Leipziger Literarischer Herbst", das in wenigen Tagen zum 20. Mal eröffnet wird, geht auf die Initiative von Hubert Witt zurück. Im Jahr 1991 hat er den ersten "Literarischen Herbst" in Leipzig organisiert. Er stellte ihn unter das kluge, vieldeutige Motto "Die Poetik des Widerstands".

Als wir zu unserem Sommerfest im Garten mit Hubert Witt zusammensaßen, hätte sich niemand vorstellen können, dass unser Freund einige Monate später nicht mehr da sein würde. Er und Clemens Meyer redeten über das Gedicht von Louis Fürnberg und diskutierten - ein Wort und ein Bier gaben das nächste - bis in den frühen Morgen hinein begeistert über ihre gemeinsame Idee, einen "Wolfgang-Hilbig-Preis der Stadt Leipzig" ins Leben zu rufen. Diese Idee ist ein weiteres Vermächtis von Hubert Witt, das wir in Ehren halten und weiter verfolgen.

Hubert Witt, wir trauern um dich. Hab Dank für alles!

Hermann Schein, Katrin Ernst, Volker Hanisch, Dieter Kalka, Clemens Meyer, Annette Lorenz, Ingrid Sonntag, Thomas Böhme, Michael Hametner, Beate Broßmann, Andrea und Andreas Klimt und viele andere.

 

Louis Fürnberg

Epilog

Wenn ich einmal heimgeh,
dorthin, woher ich kam,
aus den Tiefen der Wälder
und hinter den Ur-Nebeln hervor,
wird mein Heimweh nach der Erde
nicht geringer sein.
Ich werde keine Ruhe finden
und mit dem Staub kämpfen,
der tun wird, als wäre er
meinesgleichen.

Mit den ersten Schneeglöckchen
werde ich
auf den Wiesen stehn,
die noch gelb sind vom Winter.
Mit den Maulwürfen
werde ich die Erde aufbrechen
über mir.

Wenn ich einmal heimgeh,
dorthin, woher ich kam,
werde ich ein Fremder sein
an meinem Ursprung.

 

 

 

P1020886.Editor von groß. Kopie

Hubert Witt am 24. Oktober 2012 im Literaturhaus Leipzig
(links: Moderator Michael Hametner)

Foto: Volker Hanisch

 

 

 


 Stimmen zu Hubert Witt: Clemens Meyer und Wolf Biermann