Der Brief, Sommer 2022


 

   

 

Der Brief

Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e. V.

Sommer 2022

 

 
 
 
 Hilbig Aktivitaet 3 kleiner680
 

Stellen in Leipzig ihre Texte zu Wolfgang Hilbig vor: Judith Hermann und Marit Heuß (v.l.)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

sie sind anwesend! Jene Dichter, die Wolfgang Hilbig in die Chiffre "abwesenheit" einschrieb wie Novalis oder Hölderlin. Und umgekehrt jene, die in eigenen Werken auf Hilbig reagieren: wie Nancy Hünger, Emine Sevgi Özdamar oder Judith Hermann und Marit Heuß. In der bildenden Kunst macht Katja Enders-Plate mit detailreichen Radierungen zu Wolfgang Hilbig von sich Reden. Und auch die Übersetzungen reißen nicht ab: Aktuell erscheinen in den USA, übertragen von Skip Rhudy, und in Albanien, übertragen von Anna Kove, Gedichtsammlungen Hilbigs. Die Literaturwissenschaft wiederum macht es im August sehr konkret: Michael Ostheimer führt auf Hilbigs Spuren durch Leipzig-Plagwitz. Industriekultur in weiteren Facetten gibt es außerdem mit der Lesung "Alte Abdeckerei" in Berlin und zwei Schauspielabenden in Leipzig und Essen. Mehr zu diesen Themen im heutigen "Brief" - verbunden mit

sommerlich poetischen Grüßen!

Katrin Hanisch

 

 

Zeitreise: "Leipzig-Plagwitz. Abfahrt und Ankunft"

Wie verändert sich ein literarischer Ort in der Zeit und der zugehörige Text in unseren Augen? Das fragt Michael Ostheimer beim Literaturspaziergang durch das Industriegebiet Leipzig-Plagwitz-Lindenau anhand von Hilbigs vor drei Jahrzehnten entstandenem Text. Ostheimer, der unter diesem Blickwinkel u.a. das "Leseland DDR" untersuchte, folgte jüngst mit der Kamera auch dem "reisenden Artisten" Ringelnatz quer durch Deutschland. Der Fachmann für "Abfahrt und Ankunft" erwartet Mitreisende morgen, am 21. August, um 11 Uhr am Bahnhof Leipzig-Plagwitz.

Zum Spaziergang

 

 

Lesung: "Alte Abdeckerei"

Hilbigs Plagwitz-Text und die Erzählung "Alte Abdeckerei" sind nahe Verwandte: Sie beschreiben Beobachtungsgänge in längst verlassenen Räumen und die düsteren Zeichen darin: Zeichen, die davon künden, wie Industrie und Ideologie Leben verschlingen. Dieses Thema entfaltet Helmut Kuhn bei seiner Lesung am 25. August in Berlin. Kuhn ist Journalist, Romancier und Autor  politischer Sachbücher wie "Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantanamo", das er zusammen mit Murat Kurnaz schrieb.   .  

Zur Lesung

 

 

2 x Industriekultur: Martin Reik und Corinna Harfouch

Die Niemeyer-Kugel in Leipzig-Plagwitz ist an sich schon eine Sensation. Sie befindet sich im Kirow-Werk, das seit der Gründung 1880 als Maschinenbaufirma produziert. Hier tritt am 8. September während der "Tage der Industriekultur" der Schauspieler Martin Reik mit Erzählungen Hilbigs vors Publikum. Am gleichen Abend steht in Essen im Maschinenhaus eines ehemaligen Braunkohlenschachts Corinna Harfouch mit ihrer Inszenierung von Hilbig-Gedichten auf der Bühne. Harfouch ist nicht nur Mitglied der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft, sondern seit 2021 auch Wolfgang-Hilbig-Gedichtpatin.   

Zum Industriekulturabend in Leipzig 


 

Was bleibet aber am Flüsschen? 

"Was bleibet aber ...(stiften die Dichter)". Mit diesem Ausspruch Friedrich Hölderlins ist die Wanderausstellung der ALG überschrieben, die noch bis 11. September in dessen Geburtsstadt Lauffen Station macht. Genannt wird Hölderlin am Neckar oft in einem Atemzug mit Hilbig. Warum? Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger (auch Präsident der Hölderlin-Gesellschaft, Tübingen; 2019 konsequenter Fürsprecher des Wolfgang-Hilbig-Gedenkfindlings im Schnauderstädtchen Meuselwitz) erklärte es in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung.

Hilbig, Hölderlin und die Heimat - hier mehr  

 


 

Nancy Hünger und die "abwesenheit"

Auf Nancy Hüngers Essay zur "Alten Abdeckerei" (2014 mit dem Caroline-Schlegel-Förderpreis ausgezeichnet) folgte 2016 ein Wolfgang Hilbig zugeeignetes Gedicht. Ihren Text "Hat Wolfgang Hilbig Liebesgedichte verfasst?"  (Teil von "Hilbigs Frauen") hörten am 31. August 2021 über 200 Literaturhausgäste, ihre  Lesart des Gedichts "h. selbstporträt von hinten" ist einer der beliebtesten Jubiläumstexte. Der schließlich im Lyrikkabinett München vorgetragene Essay zu "abwesenheit" erschien jetzt in schöner Broschur im Verlag "Das Wunderhorn".

Zum Buch

 

 

Für Wolfgang Hilbig lesen: Judith Hermann und Marit Heuß

Zum zehnten Mal gibt es am 14. September im Leipziger Literaturhaus das Wolfgang-Hilbig-Sommerpodium, bei dem bis dato 20 Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre Texte zu Wolfgang Hilbig vorstellten, darunter Andreas Reimann, Volker Braun, Uwe Kolbe, André Schinkel, Lutz Seiler, Sascha Kokot, Ingo Schulze, Annett Gröschner, Jayne-Ann Igel, Katja Lange-Müller, Clemens Meyer, Thomas Kunst und Thomas Böhme. Das "Zehnjährige" begehen die Erzählerin Judith Hermann und die Lyrikerin Marit Heuß; die Moderation hat diesmal Michael Hametner. 

Zur Veranstaltung

 


 

Ausstellung: Industrielandschaften von Katja Enders-Plate

Bevor Judith Hermann und Marit Heuß das Podium betreten, eröffnet Moderator Michael Hametner am 14. September die Ausstellung "Salix" mit 30 Arbeiten der Künstlerin Katja Enders-Plate. Das Zentrum bilden 12 Radierungen zur industriell geprägten Landschaft in Hilbigs Werk und Leben. Enders-Plate hat damit, nach Johannes Heisig und Reinhard Krehl 2021, den dritten Zyklus zur Motivwelt Hilbigs vorgelegt - was Michael Hametner und Gerald Zörner Anlass zur Fortsetzung ihrer einzigartigen Videoreihe zu Hilbig in der bildenden Kunst.

Zur Veranstaltung  

 

 

Emine Sevgi Özdamar: "Wolfgang, ich geb dir mein Wort ..."

Der mehrfach ausgezeichnete Roman "Ein von Schatten begrenzter Raum" von Emine Sevgi Özdamar gibt Wolfgang Hilbig einen besonderen Platz: Ich habe dir [Wolfgang Hilbig] ja erzählt, dass meine deutschen Wörter krank geworden sind. Wenn die Wörter einer Sprache krank werden, kann man sie mit Wörtern einer anderen Sprache heilen. Damals hatte ich meine kranken türkischen Wörter mit nach Deutschland genommen zu Brechts Sprache und Kleists Sprache. Wolfgang, ich geb dir mein Wort, ich werde meine krank gewordenen deutschen Wörter wieder heilen. (Aus: E. S. Özdamar: "Ein von Schatten begrenzter Raum") Jetzt erhält Emine Sevgi Özdamar den Georg-Büchner-Preis. Wir gratulieren sehr herzlich!

Mehr zum Buch

 

 

Wolfgang Hilbig international

Am 19. August atmete die albanische Übersetzerin Anna Kove auf: "Blätter und Schatten" ist gedruckt, die Premierenfeier in Pristina (Kosovo) kann am Hilbig-Geburtstag steigen! Da Primo Shllaku (der Dennis Scheck Albaniens)  sich für Hilbig einsetzt, erwartet der Verlag eine ähnlich große Publikumsresonanz wie in Serbien und den USA, wo der Dichter regelmäßig im Feuilleton, Kulturfernsehen, auf Videokanälen (commerziell und privat) und Literaturblogs besprochen wird. Kove übersetzt auch Paul Celan, Bertolt Brecht und Hermann Hesse. Ihr größter Wunsch, so sagt sie, ist ein Besuch in Meuselwitz.

Zum Buch "Blätter und Schatten"

 

 

Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft

... trägt seit 2012 das literarische Erbe Wolfgang Hilbigs an eine breite Öffentlichkeit: mit Publikationen wie Poesiealbum und Sphinx und vielen anderen  Projekten. Ihre 84 Mitglieder sind vor allem Leserinnen und Leser, aber auch Germanisten wie Michael Opitz oder Bénédicte Terisse und Stephan Pabst, Schriftsteller/-innen und Übersetzer/-innen wie Isabel Cole, Roberta Gado, Robert Rhudy und Bernard Banoun. Sie ermöglichen den intellektuellen Austausch und ein vielgestaltiges Programm. Wenn Sie engagiert oder still Teil dieser "Community" werden möchten, so zögern Sie bitte nicht. Wir alle freuen uns über neue Mitglieder. 

 

Zur Infoseite

 

 

 
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www.hilbig-jahr-2021.de | Der Brief, Ausgabe 2 22 Fotos: M. Witte (Hermann), M. Melerski (Heuß) Red.: K. Hanisch

Gefördert (2022) von der S. Fischer Stiftung, dem Thüringer Literaturrat, den Literaturhäusern Leipzig und Halle, der Akademie der Künste Berlin, dem Fotostudio gezett Berlin, der Agentur WerbeArt Leipzig und (2021)  
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