Die Stimme verhallt, doch der Klang bleibt im Raum. Diese Zeile Hilbigs wurde für die Traueranzeige Karl Corinos gewählt. Das Foto (Corino rechts, Hilbig Mitte) zeigt beide in einer Hanauer Schule während einer Lesung nach der Verleihung des Brüder-Grimm-Preises 1983
Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
eigentlich sollte hier ein Gemälde von Johannes Heisig das Ausstellungsprojekt "Heisig - Hilbig" zur Frankfurter Buchmesse ankündigen, doch wir zeigen ein Foto unseres lieben, verehrten Karl Corino. Mit den bundesweiten Würdigungen Wolfgang Hilbigs anlässlich seines 85. Geburtstages verbindet sich die Frage: Wie viele Leserinnen und Leser, wie viele interesssierte Veranstalter, wie viel oder wenig Publikum gäbe es heute, hätte nicht Karl Corino den Meuselwitzer schreibenden Arbeiter entdeckt und gefördert? Wir sind traurig über den Tod Karl Corinos am 8. September. Wir sind dankbar für seinen literarischen Spürsinn, für seine klaren Gedanken, seinen Mut und seine Streitbarkeit, sein Engagement und seine Freundschaft. Wolfgang Hilbig betrachtete die Radio-Sendung 1977 mit Karl Corino im Hessischen Rundfunk erklärtermaßen als seine "Erstveröffentlichung". Mitglied der Hilbig-Gesellschaft war Corino beinahe seit Anbeginn. Noch 2019 gestaltete er in Leipzig mit Katja Lange-Müller und Wilhelm Bartsch einen Abend zu "abwesenheit", in Tübingen trafen wir ihn 2023 bei einem von Marit Heuß, Nancy Hünger und Carolin Führer angestoßenen Hilbig-Projekt ein letztes Mal. Der Hessische Rundfunk erinnert am 3. Oktober mit der Sendung "Archivschätze" an ihn. Bei unseren Veranstaltungen im Oktober 2026 werden wir sehr an Karl Corino denken. Wir verneigen uns tief vor ihm.
Herzlich,
Katrin Hanisch
1. Oktober, Frankfurt: Johannes Heisig im Dia- und Polylog
Dem malerischen Dialog Johannes Heisigs mit Wolfgang Hilbig widmet sich das Museum Giersch der Goethe-Universität Frankfurt/Main - Vernissage 1. Oktober - und zeigt Hilbig-inspirierte Werke des Künstlers aus mehreren Jahrzehnten im Spiegel weiterer medialer Ereignisse zu Hilbig. Das umfangreiche Begleitprogramm (Themenführungen, Schreib- bzw. Malereiwerkstätten und mehr) erstreckt sich auch auf die Buchmesse. Erwartet werden zum Beispiel Michael Opitz (hier 2021), Alexandru Bulucz (hier Essay und Lyrik 2021) und Corinna Harfouch.
Zur Ausstellung
2. Oktober, Leipzig: Fritz Rudolf Fries und Wolfgang Hilbig
Ein Spaziergang im Leipziger Westen führt am 2. Oktober auf "Zwischen-Wege" und biografisch-literarische Spur: Die Fritz-Rudolf-Fries-Tagung zeigt den Stadtteil auch als Lebens- und Schreibort von Fries und Hilbig. Über das Leben der beiden Schriftsteller, ihr Sein und "Dazwischensein" berichten Ansgar Weber von der Fries- und Volker Hanisch von der Hilbig-Gesellschaft, die Schauspielerin Verena Noll und ihr Kollege Christian Strobl tragen die literarischen Texte vor.
Hier Info und Online-Tickets
12. Oktober, Lauffen: Vernissage, Film, Gespräch
Herbst-Lese im Hölderlin-Haus! Der Grafikzyklus "Salix" von Katja Enders-Plate beschäftigt sich mit Wolfgang Hilbigs Meuselwitzer Naturtexten - wie auch der Film über "diesen Herrn C." Beides wird am 12. Oktober im Hölderlin-Haus vorgestellt, weil Hölderlins Geburtsstadt eine besondere Verbindung zu Hilbigs Geburtsstadt hat. Das Gespräch moderiert Nancy Hünger. Übrigens: Der Film ist im November in Jena nochmals zu sehen und in der Frankfurter Ausstellung, auch hier in voller Länge.
Veranstaltungsseite Hölderlin-Haus
16. Oktober, Paris: Wolfgang Hilbig - Des nouvelles des arbres
Es ist einiges, was Bernard Banoun (Sorbonne) für Wolfgang Hilbig in Frankreich getan hat. Stichworte wären Tagung, Publikation, Übersetzung und das Netzwerken als Mitglied der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft. Nach der "Alten Abdeckerei", 2023 noch vor dem Erscheinigungstermin in Leipzig und in Meuselwitz vorgestellt, hat er jüngst, 2026, "Die Kunde von den Bäumen" - "Des nouvelles des arbres" fertiggestellt. Präsentiert wird das Buch am 16. Oktober im Buchladen Le Livre in Paris.
Zur Veranstaltung
22. Oktober: Hörbuch-Premiere "Alte Abdeckerei"
Hier eine Hörprobe des von Thomas Dehler grandios eingelesenen Hilbig-Buches! Es erscheint am 22. Oktober bei Buchfunk auf allen Hörbuch-Kanälen und am Abend liest Dehler live auf der Premierenfeier in der Kinobar Prager Frühling, Leipzig. Der Schauspieler, seit Jahrzehnten Hörbuchsprecher, trifft hier auf den Performance-Künstler und Autor Kurt Mondaugen, auch Kultur- und Medienphilosoph, der sich mit dem "Verschwinden" auskennt und durch den Premierenabend führt. Für das Publikum stehen auch CDs bereit.
Zur Veranstaltung
24./29. Oktober: Zeitzeugen - regional und literarisch
24. Oktober, Orangerie Meuselwitz: Hilbigs 85. Geburtstag wird mit Stimmen aus der Stadtgesellschaft gefeiert: Ganz private Erinnerungen sind gefragt! Sie werden von literarisch-künstlerischen Beiträgen begleitet. 29. Oktober, Literaturhaus Leipzig: "Für Wolfgang Hilbig lesen: Reinhard Bernhof und Richard Pietraß". Beide haben zunächst in der DDR - Literaturbetrieb und Künstlerszene - wertvolle Erinnerungen an den Kollegen gesammelt, über ihn geschrieben, ihn herausgegeben. Zwei einzigartige Gespräche - Karten jeweils an der Abendkasse.
Hier: Meuselwitz
Hier: Leipzig
Kurz & gut
"Die Wilden am Tollensesee", so auch Wolfgang Hilbig, Elke Erb und Gert Neumann, werden am 7. Oktober im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage gelesen und diskutiert. - In Braunschweig befasst sich der Lesekreis des Raabe-Hauses am 21. Oktober mit dem Roman "Das Provisorium".- Zuletzt freuen wir uns, dass Wolfgang Hilbig jetzt als "literarisches Grundbedürfnis" gilt: Der so untertitelte Podcast von Linn Penelope Rieger stellt in der aktuellen Folge Sphinx und Pfirsich die Nachlasserzählung vor, die Michael Opitz und die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft 2019 herausgaben.
Bildergalerie Wolfgang Hilbig
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Mitgliedschaft
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www.hilbig-jahr-2021.de | www. wolfgang-hilbig.de | Der Brief, Ausgabe 2 2026 | Redaktion K. Hanisch |
© Foto: Gerhard Greiner
Wir danken unseren Mitgliedern: Johannes Heisig, Michael Opitz, Corinna Harfouch, Volker Hanisch, Nancy Hünger, Kurt Mondaugen, Bernard Banoun, Frank Muttschall, Nicolas van Veen
Wir danken unseren Förderern: der S. Fischer Stiftung, der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten ALG (Mittel des Beauftragten für Kultur der Bundesregierung BKM), der Stadt Leipzig, Foto #gezett
und unseren Kooperationspartnern im Herbst: dem Literaturhaus Leipzig, dem Hölderlin-Haus Lauffen am Neckar, dem Museum Giersch der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dem Buchfunk-Verlag und der Kinobar Prager Frühling Leipzig, der Fritz-Rudolf-Fries-Gesellschaft Leipzig, Zabrisky Film, Berlin, dem MHUN e. V. Meuselwitz und seinen Partnern.
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